Gin Sieben Dry Gin – Der Frankfurter Spirit

Wie bereits angekündigt habe ich mich Mitte Juni für euch mit Gregor Haslinger, Hesse und Kopf von GIN SIEBEN, getroffen um mit ihm über seinen Frankfurter Gin zu sprechen. Bei der International Spirits Competition in Berlin holte er mit seinem Gin die Silbermedaille. Das schrie für uns nach einem Interview. Geplant hatten wir den Termin schon länger, allerdings befand sich Haslinger zunächst auf Geschäftsreise in Schottland und Irland. Der Inhaber des Whisky Spirits, einem Fachgeschäft für Single Malt Whiskies, ist als Experte auf seinem Gebiet immer wieder in Sachen Spirits unterwegs.

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Wir treffen uns abends in seinem Laden in Sachsenhausen und sprechen im Hinterzimmer gemütlich über seine Person, den Weg von Whisky zu Gin und natürlich über seinen Gin Sieben. Mich interessiert zunächst, wie man zu einem Whiskyladenbesitzer und Single Malt Experten in Frankfurt wird. „Tatsache ist, dass ich vor ca. 20 Jahren in einer Multimediaagentur berufstätig war und da den ganzen Tag die Maus vor mich hergeschoben habe, bis die sozialen Kontakte eben über die Jahre hinweg schwanden“, sagt Haslinger. Einen Gegenpol hat er sich mit der Arbeit in der Roten Bar, geschaffen. „Bei Edward Bellen hatte ich damals angefangen. Da gab es praktischerweise nach Dienstschluss Warenkunde – man musste ja vor allem als Quereinsteiger wissen, was man da alles im Regal stehen hat, wie das schmeckt, was das kann und so weiter“, so Haslinger. Hängegeblieben ist er bei den Single Malt Whiskys. Diese haben ihnin ihrer Vielfalt der Geschmacksrichtungen, den dahintersteckenden Geschichten und ihrer Herkunft am meisten beeindruckt. „Das war so ein Mysterium in dieser Zeit für mich, das mich in seinen Bann gezogen und mich geschmacklich angesprochen hat. Vor 20 Jahren sah das ja noch ganz anders aus auf der Landkarte in Deutschland, was das Angebot an Whiskey Läden und Single Malt Varianten angeht“, erzählt der Kenner. Nachdem er den Job in der Agentur aufgegeben und sich in den heutigen Räumlichkeiten des „Whisky Spirits“ selbstständig gemacht hatte, kam die Idee ein paar Whiskys anzubieten. Und durch seine Kontakte zu Frankfurter Bars als Abnehmer, konnte das Wagnis gelingen. Den Laden gibt es heute seit 17 Jahren.

Wie kommt man von Whisky zu Gin?
„Ich war 2005 Mitarbeiter auf Zeit in einer Whisky Academy, der Bruichladdich Distillery auf der Insel Islay, um die Herstellung des Whiskys aus erster Hand zu erleben. Da wurde ein paar Jahre später auch eine Ginblase installiert. Hier wurde fortan ein Gin aus den 22 Kräutern der Insel gebrannt, der Botanist Islay Dry Gin. Ich habe mir das dort angeschaut und war verblüfft, wie einfach es ist, im Vergleich zum Whisky, einen Gin herzustellen. Bei weiteren Reisen in schottische Whisky Destillerien, in welchen auch Gin hergestellt wird, gedieh im wahrsten Sinne des Wortes die Schnapsidee einen Frankfurter Gin herzustellen.“

Wie lange hat es gedauert von der eigentlichen Idee bis zum endgültigen Produkt?
„Die erste Frage war natürlich ob man wirklich einen Gin machen soll. Noch einen Gin. Die Ginschwemme überrollt einen ja fast mit ihrem Angebot. Man musste einen Frankfurter Gin machen, der sich maßgeblich so abhebt, dass es in der Fülle des Angebotes noch Sinn macht diesen zu produzieren. Dann ist eben diese Idee mit der Grünen Soße gekommen, als Frankfurter Rezept. Abgesehen von den Wacholderbeeren, die nur in südlichen Regionen wie Italien oder der Türkei wachsen, kommt alles aus der Region. Von der Schnapsidee bis zum endgültigen Produkt hat es ungefähr ein Jahr gedauert.“

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Wurde viel experimentiert?
„Natürlich! Erst einmal ist die Frage, ob man diese sieben Kräuter sinnvoll kombinieren kann und welche Aromen sie abgeben. Ich habe mir dann eine Versuchsbrennblase besorgt“, erzählt Haslinger und huscht ins Nachbarzimmer. Hervor kommt er mir einer Miniaturbrennblase die ursprünglich eher zu Ausstellungszwecken als zum richtigen Brennen dienen sollte. „Das Problem in Deutschland ist ja, dass der Legalität dessen was man selbst brennen darf Grenzen gesetzt sind ohne eine Brennlizenz zu haben. In Deutschland ist das ein halber Liter“, meint er. Haslinger hat sich also das Ausstellungsstück zurecht gelötet, einen Thermometer draufgesetzt und einen Perkolationsbehälter angebaut um die ersten Brennversuche durchzuführen. „Im Endeffekt habe ich dann gar nicht das Perkolationsverfahren sondern das Mazerationsverfahren angewendet. Das unterscheidet sich dadurch, dass man die Kräuter in einen Grundalkohol einlegt und die Aromen dann eben an diesen Alkohol übergehen. Anschließend brennt man das Ganze. Wir haben uns für das Mazerationsverfahren entschieden, da es leichter praktikabel war und auch nicht jede Destillerie über diesen Perkolationsapparat verfügt“, so der Experte.

So dann wahrscheinlich auch die Brennerei, mit der Sie jetzt zusammen arbeiten?
„Ja genau, die Brennerei Henrich vom Obsthof am Berg aus Kriftel verfügt auch nur über die klassische Brennblasenform. Die Lizenz kommt hier von den Vorvätern und wurde entsprechend erweitert. Die Jungs haben schon ihren eigenen Whisky hergestellt und haben jetzt ganz neu einen Rum im Angebot. Ich habe die Brüder auf einer Whiskymesse kennengelernt auf der sie ihren neuen Whisky und andere Brände vorgestellt haben. Und da sie sehr innovativ sind, kam ich nach meinen Experimenten mit der Idee auf sie zu.“

Erzählen Sie mir etwas über den Herstellungsprozess ihres Dry Gins…
„Ich habe die sieben Kräuter der grünen Soße und die Wacholderbeeren sortenrein gebrannt, anschließend diese Essenzen dieser Geiste kombiniert und dann wirklich empirisch ermittelt: wie schmeckt es zusammen? Das Problem ist ja maßgeblich der Schnittlauch. Der hat diese Zwiebelnote. Wenn man davon zu viel erwischt dann schmeckt es wirklich nur noch dominant nach Zwiebeln – im Cocktail nicht sehr glücklich.“

Gutes Stichwort: Pur genießen oder im Cocktail?

„Pur genießen ist durchaus möglich“, sagt er und schenkt mir ein Gläschen in Zimmertemperatur ein. „Wenn er temperiert schmeckt, schmeckt er gekühlt mit Garantie. Das ist jetzt mit 49 vol.% natürlich sehr kräftig aber trotzdem angenehm weich rund und relativ mild.“11407190_485565088262754_5871422956667482010_n

Gibt es denn schon Cocktails mit dem Gin?
„Durchaus! Wir haben eine Spirituosenspezialistin zu unserer eigenen Whiskymesse beauftragt unseren Gin zu verkosten. Sie sollte sich überlegen wie er denn am besten kombinierbar wäre, ganz klassisch als Tonic. Da es sich um einen Dry Gin ohne künstliche Zugabe von Süßmitteln handelt, musste ein möglichst trockenes Tonic Water benutzt werden. Wir haben denn festgestellt, dass Schweppes Dry Tonic hier besonders gut passt. Man kann dann natürlich klassisch mit Gurke oder Zitrone arbeiten. Sie hat jedoch erstaunlicherweise festgestellt, dass Tomate und Basilikum besonders gut damit harmoniert. Der Cocktail nennt sich dann „Goethes Reise nach Italien“. Man sagt ja die Grüne Soße sei sein Lieblingsessen gewesen und er wäre sehr italophil gewesen.“

Neben den Spirits ist für uns immer eines interessant: Was macht für Sie eine gute Bar aus?
„Verschiedene Aspekte. Die Bar muss einem persönlich liegen, das Ambiente muss einem gefallen, dann natürlich die Professionalität des Personals. Mit ist schon wesentlich wichtiger, dass die Leute ihr Handwerk verstehen, als dass sie toll mit Flaschen rumwirbeln können. Beratung ist mir wichtig, wenn man mal von der Karte abweicht und experimentieren möchte. Und natürlich mag ich es, wenn ein Barkeeper was mit meinem eigenen Produkt zaubern kann.“

Wie würden Sie die Frankfurter Barszene beschreiben?
„Sehr lebendig und erfreulich vielfältig. In den letzten Jahren ist das ja richtig aufgegangen. Vor 20 Jahren da war das ganze sehr überschaubar. Die meisten Bars von damals gibt es heute nicht mehr. Die Rote Bar hat überlebt, die Luna Bar und Jimmy‘s Bar. Was mir in Frankfurt fehlt ist eine klassische Whisky Bar – ich wüsste jetzt keine.“

Wir unterhalten uns noch ein Weilchen über Bars, in welchen der Gin Sieben ausgeschenkt wird und über Variationen. Die Nachfrage ist groß, im Laden werden täglich Flaschen verkauft und Frankfurter Bars wie die Old Fashioned Bar, die Rote Bar oder die Hotelbar der Villa Kennedy beziehen die Spirituose.

Bei unserem nächsten Barbesuch werden auch wir sicherlich nach dem Frankfurter Gin fragen. Vielleicht als Martinicocktail mit einem Schuss Wermut und einer Olive oder als Martinez etwas fruchtiger. Auch im Ellison (der traditionell mit Hendrick’s gemixt wird) mit gestoßener Minze und Limette oder als Bramble mit Beeren soll Haslingers Gin gut funktionieren.

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„Alles was würzig fruchtig oder kräutrig fruchtig, anstelle von süß fruchtig, ist, passt und ist sehr spannend. Es ist kein Gin der sich gerne unterordnet. Er hat viel Charakter. Den soll er auch haben und sich damit von der Masse abheben. Seinem Charakter muss man eben gerecht werden und den Typus unterstreichen statt ihn zu überdecken.“ Gregor Haslinger

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